Ganz heimlich hat sich Wehmut in meinen Keller eingeschlichen. Abschiedsstimmung, weil die Tage, bis ich wieder in meinen Beruf einsteige, angezählt sind. Aufräumen, ordnen, sortieren der äußeren Dinge hilft mir, Klarheit zu gewinnen.
Ich hatte das Gefühl, zu gar nichts gekommen zu sein, aber als ich die Drucke gesichtet habe, habe ich gemerkt, dass doch einiges entstanden ist:
Nochmal einer der Wolfsmond-Drucke, und natürlich mussten Pflanzen dabei sein:
Beim letzten Druck habe ich in der ersten Farbschicht mit Acryl-Tinten gearbeitet. Die sind von der Gelli-Plate abgeperlt, das hat diesen Carquelé-Effekt bewirkt.
Der erste Vollmond im Jahr heißt Wolfsmond. Die hungrigen Wölfe kamen aus den Wäldern an die Dörfer und Siedlungen heran und heulten den Vollmond an. Keine Wölfe aber Gelliprints mit Kälte, Schnee und Vollmond sind zwischen den Jahren entstanden:
Naja, bei diesem letzten Bild ist ein Feuervogel über die Druckplatte geflogen.
… ist mein Sabbatjahr zu Ende gegangen, das ich mir so ganz anders vorgestellt habe, als es gekommen ist.
Januar – ScheideggFebruar – UlmMärz – den Frühling gesucht und gefundenApril – Besuch im Hundertwassermuseum LindauMai – …Juni – kann wieder krabbelnJuli – NachhallAugust – endlich wieder RadfahrenSeptember – fleißig. Immer noch, immer wiederOktober – passtNovember – einmal noch in die Berge, bevor es zu spät istDezember
Und als ich versucht habe, für jeden Monat ein Bild zu finden, habe ich gemerkt, dass es ein total tolles Jahr gewesen ist. Ganz vielen kleinen Wundern bin ich begegnet – überall. Ich bin unglaublich dankbar für das, was ich erlebt habe, und welche Schlüsse ich daraus ziehen kann. Mit vielen wunderbaren Menschen bin ich weiter gegangen – Schritt für Schritt – danke!
Ein wunderbares Jahr 2026 wünsche ich Euch allen und freue mich auf das, was es bringt – ganz unverhofft.
…davon träume ich schon seit längerem. Zufällig bin ich in der Stadtbücherei einem Buch über „Nordisch stricken“ begegnet und habe es – einfach so, nur so, ohne Plan (?) – ausgeliehen und mich in quasi jeden darin beschriebenen Pulli verliebt:
Ein paar Tage habe ich gezögert, ob ich mich an ein solches Projekt heranwagen soll. Und warum auch immer: Ich habe Island-Wolle in Schweden bestellt, um den Pulli einer finnischen Autorin nachzustricken in Erinnerung an den Aufenthalt in Norwegen vor einem Jahr. Und: Ich bin es einfach leid, ständig zu frieren!
Die Anleitung ist wirklich übersichtlich gestaltet, klar habe ich Lehrgeld bezahlt, indem ich manches wieder aufgezogen habe oder beim nächsten Pulli anders machen würde, aber: Es hat geklappt.
Schon beim Stricken hatte ich es behaglich war, besonders als das Strickstück schon etwas größer wurde:
(Mit mir auf dem Sofa sitzen übrigens Marshall (der Wolf) und Rose (die Giraffe), die die ganze Zeit mehr („Sie kriegt das nicht hin“) oder minder („Geduld, das wird schon“) gewaltfrei kommuniziert haben (nach Marshall Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation).
Besonders spannend war, dass ich mich komplett auf die Größenangabe und Maschenprobe verlassen musste, weil ich den Pulli zwischendurch nicht probieren konnte (dazu waren die „Strickseile“ zu kurz).
Es war also ein ziemlich besonderer Moment, als ich zum ersten Mal in mein Werk hineingeschlüpft bin:
Ich bin echt total froh und stolz (und denke an H., die bestimmt auch total stolz auf mich wäre, weil ich ein bisschen in ihre Fussstapfen getreten bin).
Und am Ende noch ein ehrliches Wort. Islandwolle kratzt. Sie kratzt wirklich. Ich bin echt hart im Nehmen, aber sie kratzt. Ich muss was drunter ziehen. Aber das gehört ja eh so: Traditionell wird ein solcher Pulli als oberste Schicht getragen, drunter kommen – je nach Wetter: Merino/Fleece/Softshell oder alles zusammen.
Eisblumen sind leider zu einer seltenen Art geworden, an doppelt- oder dreifach verglasten Fenstern können sie nicht gedeihen.
Frost und Nebel haben aber die gesamte Landschaft überzuckert, der Spaziergang heute war eisig und herrlich:
Der Frost haucht zarte Häkelspitzen Perlmuttergrau ans Scheibenglas. Da blühn bis an die Fensterritzen Eisblumen, Sterne, Farn und Gras. Kristalle schaukeln von den Bäumen, Die letzen Vögel sind entflohn. Leis fällt der Schnee … In unsern Träumen Weihnachtet es seit gestern schon.
Geschichten über Tannenduft, Engel und glitzerndes Geschenkpapier gibt es duzende. Geschichten über Not, Kälte und Weihnachtswunder auch. Und dann sind da die historischen Geschichten, die modernen, die wahren und die erfundenen.
Und dann ist da noch eine.
Weihnachten war in diesem Jahr ganz anders. Alles unbekannt: der Ort, die Menschen, die Sprache, die Gepflogenheiten. Und sie in einer Situation voller Angst, was die Zukunft bringen würde, kein Schritt ohne Schmerzen möglich, die Seele schwer von ungeweinten Tränen.
In der Nacht hatte der Wind an dem Dach des weißen Holzhauses gezerrt, und obwohl des schon mitten am Vormittag war, war die Dämmerung über den Feldern mit dem nassen, schweren Schnee zu spüren.
Sie waren den Weg in den Ort gelaufen und hatten die letzte Möglichkeit zum Einkaufen genutzt. Es sollte ein landestypisches Weihnachtsessen geben, improvisiert mit der kargen Ausstattung der kleinen Wohnung unterm Dach. Da hörte sie vor der Wohnungstür Geräusche. Jemand schien in der Nachbarwohnung zu hantieren. Als sie nachsah, war es eine junge Frau, die nebenan reinigte. Weil in ihrer Wohnung etwas fehlte, sprach sie die Frau an und bekam das Gewünschte. Hier ins Detail zu gehen, ist für den weiteren Verlauf der Geschichte unnötig.
Als Dank, und weil Weihnachtstag war, schenkte sie der Frau einen der Engel, die sie von zu Hause mitgebracht hatte. Die junge Frau freute sich sehr und fragte: „May I give you a hug?“ Und als die beiden Frauen sich in die Arme schlossen, passierte es. Eine echte Umarmung. Eine feste Umarmung. Ohne Worte verstanden sie sich, übergaben ihr Innerstes an die andere und nahmen der anderen Last. Körper an Körper, Loslassen und sich gegenseitig Stützen. Tränen begannen zu fließen und zu versiegen. Tiefes, inniges Verständnis, echte Umarmung. Sekunden nur, die unlöschbare Spuren hinterließen.
Ich weiß deinen Namen nicht, wo du bist, wie es dir geht. Aber ich spüre dich noch und danke dir von Herzen für diesen Moment! Du warst mein Weihnachtswunder.
In der Oper kannst du was erleben… Oper natürlich, spannend ist aber auch, was drumherum so alles passiert.
Wenn zum Beispiel der dressierte Schwan in den Orchestergraben springt und nur sehr knapp neben dem Cellisten landet. Oder, wenn Scarpia im Todeskampf die Weinflasche, die bei der Auseinandersetzung mit Tosca vom Tisch gefallen ist, gerade noch festhält und hinstellt, damit sie nicht die geneigte Bühne hinunterrollt und im Orchestergraben einschlägt (Scheint ein nicht ganz ungefährlicher Beruf zu sein, im Orchestergraben zu sitzen…). Mit zu den lebhaftesten Opernerinnerungen – abgesehen von den vielen Malen, die ich verheult am Kärntner Ring an der U-Bahn stand, weil sie Cavaradossi doch erschossen hatten, gehört, wie ich mir bei Madama Butterfly vor vielen Jahren mit einer mir unbekannten jungen Frau eine Packung Taschentücher geteilt habe.
Überhaupt: ohne Taschentuch in die Oper zu gehen, kann an Fahrlässigkeit grenzen. Und in der Oper selbst spielen Taschentücher auch eine Rolle: Wenn zum Beispiel eines erst nicht auffindbar ist, und dann doch später wieder auftaucht, aber…..
OTELLO No! il fazzoletto voglio ch’io ti donai.
DESDEMONA Non l’ho meco.
Da hat Desdemona das Taschentuch also nicht dabei. Das wird ihr das Leben kosten…
Und Madama Butterfly hofft, ihren frisch Angetrauten nicht zu verärgern, wenn sie ein paar „Frauendinge“ mitbringen möchte:
BUTTERFLY Signor B. F. Pinkerton, perdono… Io vorrei…pochi oggetti da donna…
PINKERTON Dove sono?
BUTTERFLY Sono qui…vi dispiace? (Tira fuori gli oggetti dalle maniche del suo kimono.)
PINKERTON O perché mai, mia bella Butterfly?
BUTTERFLY Fazzoletti. La pipa. Una cintura. Un piccolo fermaglio. Uno specchio. Un ventaglio.
Sie hat Taschentücher dabei….
Ein Hoch auf das Taschentuch, die Oper und die Frauen!
Letztes Wochenende habe ich eine Einladung zum Baumloben erhalten. Mit Kaffetrinken, Waffeln, Eierlikör, Lieder singen: einfach ganz wunderbar.
Vorsichtshalber, und weil ich noch „Tannengrün“ vom Adventsgesteck übrig hatte, habe ich den nordfriesischen Baum hergerichtet und bin also bereit:
Wenn du vor meiner Tür stehst: Bitte klingeln, es gibt Kaffee und gebrannte Mandeln. Wenn du vorher anrufst, könnte ich sogar einen Kuchen backen…. Am Küchentisch sitzen, klönen, vielleicht was basteln, „Messias“ hören, wäre das nicht wunderbar?